Fachapotheker & Weiterbildung

Promotion in Pharmazie: Dr. rer. nat. und Masteranschlüsse

Von Redaktion6 Min. Lesezeit

Fakten geprüft am 25.10.2026

Mehrkanalpipetten in einem Ständer im Labor

Im akademischen Jahr 2024 wurden in Deutschland 385 Promotionen in Pharmazie abgeschlossen, so die ABDA nach Zahlen des Statistischen Bundesamts. An den Standorten, deren Angaben wir gelesen haben, heißt der Grad Dr. rer. nat. (Doktor der Naturwissenschaften). Promovieren kannst Du schon nach dem Zweiten Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung, die Approbation ist dafür nicht nötig. Wer erst forschen will, findet Masterstudiengänge, die direkt an das Staatsexamen anschließen und für Pharmazeuten zwei Semester dauern. Stand: 25.10.2026.

Wie viele promovieren

Die ABDA veröffentlicht die Zahl der Promotionen im Jahrbuch „Die Apotheke: Zahlen, Daten, Fakten 2026“ (Quelle: Destatis, Landesbehörden). Das akademische Jahr beginnt am 1. Oktober und endet am 30. September des Folgejahres.

Akademisches Jahr Approbationen Promotionen
2024 2.259 385
2023 2.507 314
2022 2.418 366
2021 2.405 360
2020 2.551 356
2014 2.079 407

Seit 2014 liegt die Zahl der Promotionen in jedem Jahr zwischen 314 und 415. Die Promotionen eines Jahres stammen nicht aus demselben Jahrgang wie die Approbationen, ein Verhältnis daraus wäre deshalb nur grob.

Welcher Doktorgrad

Drei Beispiele mit Fundstelle:

  • Kiel: Die Promotion zum Dr. rer. nat. ist in den fünf Teilfächern der Pharmazie möglich: Klinische Pharmazie, Pharmakologie und Toxikologie, Pharmazeutische Biologie, Pharmazeutische und Medizinische Chemie, Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie.
  • Leipzig: Nach dem Zweiten Abschnitt kannst Du in einem von fünf Fachbereichen promovieren und erlangst den Grad „Doktor rer. nat.“.
  • Mainz: Der Fachbereich Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften verleiht den Dr. rer. nat., Pharmazie ist ein zugelassenes Promotionsfach.

Ob andere Grade vorkommen, etwa an medizinischen Fakultäten, haben wir nicht geprüft.

Zugang: Das Zweite Staatsexamen reicht

Die Mainzer Promotionsordnung des Fachbereichs 09 vom 18.10.2021 (Fassung vom 17.08.2022) verlangt einen Masterabschluss oder einen gleichgestellten Abschluss; für das Fach Pharmazie ist der bestandene Zweite Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung an einer deutschen Hochschule dem Master gleichgestellt (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 a aa). Ein Master oder ein Diplom ist für Pharmazeuten dort also keine Voraussetzung.

Leipzig beschreibt den Weg ähnlich: Nach dem Zweiten Abschnitt kannst Du fakultativ ein Promotionsstudium beginnen, beworben wird direkt bei den Leitern der Arbeitsgruppen. Kiel verweist für die Zulassungsvoraussetzungen auf die Promotionsordnungen der Fakultäten.

Die Approbation ist in diesen Quellen keine Voraussetzung. Willst Du später als Apotheker arbeiten, brauchst Du sie trotzdem: praktisches Jahr und Dritter Abschnitt bleiben Pflicht, siehe Zweites und drittes Staatsexamen Pharmazie.

Wie lange die Promotion dauert

Eine bundesweite Zahl haben wir nicht. Leipzig nennt für die Dissertation eine Bearbeitungszeit von in der Regel mindestens drei Jahren. Für andere Standorte haben wir keine belegte Angabe.

Master als Anschluss an das Staatsexamen

Drei Masterstudiengänge richten sich ausdrücklich an Absolventen des Staatsexamens:

Uni Studiengang Dauer für Pharmazeuten Sprache Beginn Zielgruppe bzw. Zugang laut Uni
Frankfurt M.Sc. Arzneimittelforschung 2 Semester (Variante für das 2. Staatsexamen) Deutsch Winter- und Sommersemester zweiter Abschnitt abgeschlossen; zulassungsbeschränkt
Bonn M.Sc. Arzneimittelforschung 4 Semester, für Staatsexamensabsolventen etwa 2 durch Anerkennung der Grundlagenmodule überwiegend Deutsch, einzelne Module Englisch keine Angabe auf der gelesenen Seite vor allem Staatsexamensabsolventen, auch Bachelor naturwissenschaftlicher und pharmazienaher Fächer sowie Absolventen medizinischer Studiengänge
FU Berlin M.Sc. Pharmazeutische Forschung 2 Semester Englisch Winter- und Sommersemester Abschluss in Pharmazie oder verwandtem Fach mit mindestens 8 Semestern bzw. 240 Leistungspunkten, Englisch B2

Frankfurt setzt in den zwei Semestern auf zwei große individuelle Forschungspraktika, eines davon auch im Ausland oder in der Industrie, und die Masterarbeit. Die ersten zwei Semester der viersemestrigen Variante für Bachelorabsolventen entfallen für Pharmazeuten.

Bonn lässt Dich einen von sieben Schwerpunkten wählen, von Pharmazeutischer Chemie bis Pharmazeutischer Mikrobiologie. Die Masterarbeit entsteht im vierten Semester. Studiengebühren gibt es laut Uni nicht, nur den Sozialbeitrag pro Semester.

FU Berlin legt jedes Semester neu fest, ob der Studiengang zulassungsbeschränkt ist. Die Uni schreibt, dass die meisten Absolventen ihre Kenntnisse anschließend in einer Promotion vertiefen.

Daneben nennt Kiel einen forschungsorientierten Weiterbildungsstudiengang Drug Research and Technology. Weitere Master für Industrie und Forschung, etwa in Tübingen, stehen in Pharmaceutical Sciences: Studium für Industrie und Forschung.

Was die Promotion im Tarif bringt

In der tarifgebundenen chemischen Industrie, zu der auch viele Pharmahersteller gehören, gilt für 2026 im zweiten Beschäftigungsjahr eine Untergrenze: 74.950 Euro im Jahr für diplomierte Angestellte und Angestellte mit Masterabschluss, wozu auch das Staatsexamen in Pharmazie gehört, und 87.125 Euro mit Promotion. Der Unterschied beträgt 12.175 Euro (unsere Rechnung). Ein Master hebt die tarifliche Untergrenze also nicht, die Promotion schon. Das erste Jahr ist frei vereinbart, der Tarif gilt nur in tarifgebundenen Betrieben in den westdeutschen Ländern und Berlin (West). Die Einzelheiten stehen in Apotheker in der Pharmaindustrie: Gehalt.

Promotion und praktisches Jahr

Die sechs Wahlmonate des praktischen Jahres darfst Du nach § 4 Abs. 1 AAppO unter anderem an einem Universitätsinstitut verbringen. Ob und wie sich das mit einem Promotionsvorhaben verbinden lässt, regelt die Approbationsordnung nicht; das klärst Du mit der Arbeitsgruppe und dem Landesprüfungsamt. Wie das praktische Jahr aufgeteilt ist, steht in Praktisches Jahr Pharmazie.

Was wir nicht belegen können

Eine amtliche Durchschnittsdauer der Promotion in Pharmazie, Abbruchquoten, die Bezahlung von Doktoranden und Stipendien haben wir nicht belegt und nennen deshalb keine Zahlen. Wie sich die 385 Promotionen auf Standorte und Grade verteilen und ob darin auch Promovierende ohne pharmazeutisches Staatsexamen enthalten sind, geht aus der ABDA-Tabelle nicht hervor. Eine neuere Fassung der Mainzer Promotionsordnung als die vom 17.08.2022 haben wir nicht gefunden. Dass die Promotion bundesweit meist zum Dr. rer. nat. führt, ist nur für die drei genannten Standorte belegt.

Häufige Fragen

Muss ich approbiert sein, um zu promovieren?

Nach den Angaben aus Leipzig und Mainz nicht. Dort reicht der Zweite Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung. Für die Arbeit als Apotheker brauchst Du die Approbation trotzdem.

Welchen Doktortitel bekomme ich?

In Kiel, Leipzig und Mainz den Dr. rer. nat., den Doktor der Naturwissenschaften.

Brauche ich vorher einen Master?

In Mainz nicht: Der Zweite Abschnitt ist dort dem Master gleichgestellt. Ein Master kann sich lohnen, wenn Du erst in die Forschung hineinschauen willst.

Wie viele Promotionen gibt es in Pharmazie?

Im akademischen Jahr 2024 waren es 385, bei 2.259 Approbationen im selben Jahr.

Lohnt sich die Promotion finanziell?

Im Chemietarif liegt die Untergrenze im zweiten Beschäftigungsjahr mit Promotion bei 87.125 Euro statt 74.950 Euro. Für Apotheke und Klinik haben wir keinen belegten Zuschlag.

Nächster Schritt

Sprich Arbeitsgruppen an, deren Forschung Dich interessiert, am besten schon im Hauptstudium oder während der Wahlhälfte des praktischen Jahres. Lies die Promotionsordnung Deiner Wunsch-Uni. Wenn Dir ein kürzerer Einblick in die Forschung reicht, vergleiche den Diplom-Pharmazeuten. Andere Wege nach der Approbation zeigt Fachapotheker: Gebiete, Dauer, Ablauf.

Quellen

Über die Redaktion

Redaktion

Die Redaktion von pharmazie-studium.eu schreibt die Ratgeber-Artikel und pflegt die Daten zu den Pharmazie-Standorten. Jede Zahl stützt sich auf eine Primärquelle wie hochschulstart.de, die Approbationsordnung oder die Hochschulen selbst und trägt ein Stand-Datum.

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